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Anmeldung Forums Fragen (Pro’s) Hedging im aktuellen Marktumfeld

  • Hedging im aktuellen Marktumfeld

    Posted by Jan on 13. Mai 2022 um 23:38

    Hallo zusammen,

    auch wenn der heutige Tag mal erfreulich an der Börse geendet hat, so ist nicht zu übersehen, dass wir einen deutlichen Abwärtstrend die letzten Wochen hatten, der teilweise schon etwas ausgeprägter war als die bisherigen Abwärtssequenzen dieses Jahr (letzte und diese Woche je ein Tag mit Abwärtsvolumen von deutlich über 90% – das hatten wir vorher in diesem Jahr noch nicht usw.)
    Man sieht nun auch vermehrt wieder Beiträge zum Thema Hedging und da diese immer sehr theoretisch aussehen (warum haben die Autoren nie reale Beispiele aus Ihrem Depot!?), würde mich interessieren, ob ihr aktuell Hedging betreibt und wenn ja mit welcher Strategie und welchem Erfolg.
    Als die Abwärtsbewegung zum Januar losging, kam ja gerade das Buch von Eric Ludwig heraus und hier im Bereich gibt es ja eine Diskussion wie der dort favorisierte VXX Time Straddle sich im Paper- oder Real Trading schlägt. Einige haben auch ihre aktuell verwendeten Strategien dargestellt. Mein Eindruck war, dass die Strategie kaum bis wenig Gewinn abwarf. Schwierige Fragen sind halt immer der Einstieg (für manche zu späte wenn an Bedingungen wie VIX Level geknüpft) und der Ausstieg.
    Wie ging es bei Euch weiter? Was macht Ihr aktuell und hat es den gewünschten Effekt?

    Natürlich kann ich nicht von Euch erwarten, dass Ihr teilt, wenn ich nicht selber teile, deshalb im Folgenden noch ein wenig zu meinem Vorgehen.
    Unterscheiden muss ich zwischen meinem Beta Test und meinem restlichen Trading.
    I) Betatest (reales 20K Depot)
    Bei der Depotgröße habe ich mich nur für einige kleine Maßnahmen entschieden, also keine eigene Hedging Strategie (würde zu viel Kapital binden). Trotzdem kann man das Thema nicht ignorieren.
    -aktives Delta Management
    Es werden viel mehr short strangles als reine short put gehandelt. Die Short Strangles werden in der Regel Delta neutral aufgesetzt und beim Management TastyTrade like behandelt, wobei ich eigene Marktanalysen heranziehe, um das Timing etwas zu steuern (es werden short calls nicht immer runtergerollt in einem Schritt, sondern je nach Marktlage an down Tagen zurückgekauft und bei späteren UpTagen wieder verkauft. Hierbei wird das Delta etwas neutralisiert, aber es ist natürlich nicht delta neutral)
    ->dieser Punkt hatte vor der aktuellen Abwärtswelle besser funktioniert als gerade, da es wenig “richtige” Gegenbewegungen gab
    -“konservatives” Money Management (trade small)
    Warum führe ich das hier auf? Nachdem ich am Montag bei TT diesen Beitrag gesehen habe, finde ich es gehört dazu:
    https://www.tastytrade.com/shows/the-skinny-on-options-abstract-applications/episodes/4-hedging-strategies-for-your-portfolio-05-09-2022
    Aktuell immer genug Luft zu haben, ermöglicht natürlich auch Anpassungen dann zu machen, wenn es die Gelegenheit gibt.
    Im großen und Ganzen bin ich zufrieden wie es bisher hier lief, aber werde wohl noch kleine Anpassungen machen, da der letzte Move doch deutlicher abwärts ging.
    Auch wenn es in D steuerlich nicht gut ist, werde ich wohl noch mit Spreads arbeiten, allerdings ist der mögliche Gewinn hier halt auch sehr begrenzt.

    II) restliche Depots
    Hier verwende ich vor allem /MES Future und Optionen auf diesen, um viel aktiver ein Delta Hedging zu betreiben. Dies erscheint mir weiter völlig ausreichend. Allerdings ist mir aufgefallen, dass wir in der Gruppe meines Mentors da keine festen Regeln für haben und man doch sehr flexibel sein muss. Auch steuerlich nicht immer optimal für in D beheimatete.

    Würde mich über Eure aktuellen Erfahrungsberichte freuen

    Rene beantwortet 1 Jahr, 9 Monate aktiv. 4 Mitglieder · 9 Antworten
  • 9 Antworten
  • Rene

    Mitglied
    14. Mai 2022 um 10:43

    Hallo Jan,

    das Thema Hedging ist nach dem Absturz immer in den Kanälen hoch vertreten, da ja viele kräftig rote Vorzeichen im Depot haben. Somit sind Beiträge zu diesen Thema immer viel geklickt!

    Meiner Meinung nach ist das beste Hedging die Strategie von Thomas. Einfach sich auf die Hände setzen und warten bis der Einbruch vorbei ist. Das Buch von Eric habe ich auch gelesen und der Kasseltrader hatte auch noch ein ganz interessantes Model vorgestellt, aber die meisten Absicherungen benötigen einen VIX von unter 20 oder sogar noch tiefer und sind jetzt einfach nicht anwendbar.

    Ich habe mich gegen ein aktives Hedging entschieden und habe aber auch den Vorteil eines großen Depots. Ich habe mein allgemeines Aktiendepot nicht vom Optionsdepot getrennt und kann dann unter Ausnutzung der Margin solche Phasen gut überstehen. Auch diese Strategie kostet mich etwas, da ich ja eingebuchte Werte langfristig im Depot habe und auf den Moment der Verwertung unter Umständen auch mehrere Jahre warten muss. Im idealen Fall kann ich Optionsprämien und Dividenden vereinnahmen und habe so doch noch eine Rendite zur Deckung der Kosten.

    Diese Strategie wurde im Corona Crash das erste Mal getestet und bis jetzt habe ich von den eingebuchten Aktien nur noch American Airlines im Depot. Hier habe ich auch nicht verbilligt, sondern habe einmal einen langlaufenden Call verkauft und dann einfach gewartet.

    Die Strategie ist sicherlich nicht die Beste, aber für mich einfach handhabbar. Nach der Lektüre von Eric Ludwigs Buch “Optionen unschlagbar handeln” ist mein Werkzeugkoffer heute auch viel größer und ich kann viele Optionen viel besser managen und schneller schließen. Hier spielen dann doch zwei Jahre intensives Lernen im Spiel mit den Optionen eine große Rolle. Im Moment habe ich leider wieder viele Kandidaten aufgesammelt und damit mal wieder locker eine Beschäftigung für die nächsten zwei bis drei Jahre. Es macht aber nichts, da ich trotz dieser Sorgenkinder immer noch eine Jahresrendite auf dem Gesamtdepot von 20% schaffe und somit das Sparbuch von Olaf klar schlage 🙂.

    Gruß René

    • Jan

      Mitglied
      14. Mai 2022 um 11:29

      Hallo Rene,

      vielen Dank für Deinen Beitrag!
      Keine Ahnung, ob Du einen Blick auf den Link geworfen hast, aber genau betrachtet setzt Du ja die dort genannte Nummer 1 um, angemessene Größe der Trades zur Depotgröße.
      Dabei spielt es aus meiner Sicht keine Rolle wie groß das Depot ist, diese Strategie funktioniert für alle. Wie geschrieben ist das auch der Grundbaustein für mein 20K Depot. Ob dies Performance kostet? Sicher wenn man die Erwartungen vieler mit meinen Erwartungen vergleicht schon. Das Ziel sind halt 20-25%/ Jahr, wer halt über 50% erreichen will, der hat halt in der Regel eine viel höhere Grundmarginauslastung.

      Einen anderen wichtigen Punkt den Du ansprichst ist ja die Vorrausetzung den viele Absicherung erfordern, VIX unter 20 –>das hatten wir dieses Jahr nur Anfang Januar.
      Da viele Absicherungsstrategien aber immer wieder nachkaufen, würde mich mal interessieren, ob diese dadurch Probleme bekommen, dass der VIX so lange hoch ist.

      Gruß Jan

      • Rene

        Mitglied
        14. Mai 2022 um 11:48

        Nein, das Video habe ich tatsächlich übersehen und somit auch nicht angesehen.

        Ich mag halt einfach simple Strategien und somit kommt mir der gewählte Weg sehr entgegen. Der Profit hat für mich auch nicht den höchsten Stellenwert, da mein Vermögensaufbau deutlich besser läuft als geplant. Somit sind 10 – 20% pro Jahr vollkommen ausreichend. Das mag für jemanden in der Aufbauphase anders aussehen, aber ich stehe halt kurz vor der Rente und habe in den letzten 40 Jahren artig Geld zur Seite gelegt. Es ist halt immer die Zeit, die den größten Hebel im Vermögensaufbau bringt. Schön verdeutlicht das die Zinseszinsrechnung.

        • Jan

          Mitglied
          14. Mai 2022 um 13:14

          Auch ich bin absolut nicht in der Aufbauphase und das 20K Projekt soll der Grundbaustein eines Angebotes sein der sich eher an Trader im Alter von 45-60 wenden, die langfristig den Optionshandel als Möglichkeit aufbauen wollen Cash zu generieren.

          Die Kernaussage von meiner Seite ist ja: Renditeerwartung und sinnvolle Depotauslastung (die einem erlaubt keine separate Hedging Strategie zu fahren und mit einfachen Maßnahmen zur Deltaanpassung auskommt) bedingen einander. Die Renditeerwartung vieler ist zu hoch = aktives Hedging ist ein Muss.

  • Thomas

    Moderator
    14. Mai 2022 um 10:45

    Vorab muss ich gestehen, dass das Portfolio-Hedging noch eine meiner vielen Schwachstellen ist.

    Das Hedging wird immer dann modern, wenn es bereits zu spät ist und die Märkte deutlich nachgegeben haben. Wenn die Hütte brennt will man noch eine Feuerversicherung abschließen. Das Hedging sollte in Zeiten niedriger Volatilität vorbereitet werden –> z.B. siehe Airbag-Trade vom Optionsuniversum. In Hochvolazeiten ist der Airbag zu teuer.

    Es hängt auch davon ab, welche Schwankungsbreite man im Portfolio aushält. Je sensibler man in dieser Hinsicht ist, desto größer wird auch das Absicherungsbedürfnis sein.

    Ein deltaneutrales Portfolio ist meiner Meinung nach ein probates Mittel und es wird Dir auch Dein Broker danken, weil die Margin-Belastung geringer ist. Es halt mit Arbeit verbunden, das Portfolio deltaneutral zu halten.

    • Jan

      Mitglied
      14. Mai 2022 um 11:32

      Hallo Thomas,

      vielen Dank!

      Ja das Thema mit dem Aufsetzen in niedriger Volatilität ist halt so eine Sache. Deswegen fände ich es ja spannend zu sehen, ob Trader die diese Strategien einsetzen, davon aktuell profitieren. Vieles klingt theoretisch immer gut, aber dann weichen in der Praxis Details ab und das ganze Konstrukt funktioniert nur bedingt.

      Delta Neutralität ist natürlich super schwer. In dem kleinen 20K schaffe ich so etwas nicht ansatzweise. Da versuche ich ja Delta Anpassungen. Leider habe ich aktuell meine short deltas alle verloren und hoffe diese bei einer Aufwärtskorrektur wieder aufzubauen.

      Gruß Jan

  • Andreas

    Mitglied
    14. Mai 2022 um 13:17

    Also ich „friere“ meine Aktienpositionen einfach mit verkauften CfDs auf das jeweilige Underlying ein. Das dient aber erstmal nicht zur Gewinnerzielung sondern ausschließlich zur Absicherung. Sollte der Markt irgendwann nachhaltig drehen, könnte es natürlich gut sein, dass ich die CfDs vorher wieder auflöse und doch Gewinn mache.

    Ansonsten fahre ich meine Optionsstrategie einfach weiter…

    • Jan

      Mitglied
      14. Mai 2022 um 13:42

      Hallo Andreas,

      wenn Du Deine Optionstrades einfach so weiter durchführst und Dich der ganze Rückgang dabei nicht in Bedrängnis bringt, dann hast Du ja automatisch die Methode Money Management umgesetzt.

      Interessanterweise hätte ich nicht erwartet, dass bisher alle mit den Positionen keine Probleme haben. Im Januar klang dies noch düsterer.

      Gruß Jan

    • Rene

      Mitglied
      15. Mai 2022 um 14:13

      Ich kann es ja nicht ändern und kann auch nicht sagen, wann und wie viel die Kurse nachgeben! Die meisten Absicherungen laufen ja immer durch und auch hier ist der Crash am falschen (kurz vor Auslauf) Punkt ein Risiko. Mit diesen vielen Unbekannten ist eine verlässliche Strategie meiner Meinung nach unmöglich und bei großen Depots auch nicht bezahlbar.

      Somit muss ich bei einem Investment an der Börse einfach diese Umstände in Kauf nehmen. Sie gehören zu einem Investment einfach dazu!

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