Viele suchen die nächste Aktie, die sich verzehnfacht. Du suchst heute bewusst das Gegenteil: Unternehmen, die schwach sind, Geld verbrennen und überbewertet wirken. Shorten ist kein Hobby für Anfänger — das Verlustrisiko ist theoretisch unbegrenzt. Gleichzeitig kann ein gezielter Short als Hedge oder Renditequelle extrem wertvoll sein, wenn du die richtigen Kriterien anwendest. In diesem Artikel zeige ich dir eine präzise, praxistaugliche Methode, wie du Short-Kandidaten identifizierst, welche Warnsignale du meiden musst und welche Tools dir dabei helfen.
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Warum shorten — zwei gute Gründe
- Hedge im Crash: Schrottaktien fallen in einem Bärenmarkt deutlich stärker als Qualitätsaktien. Shorts können Verluste im Depot kompensieren.
- Gewinnquelle unabhängig vom Markttrend: Du profitierst, wenn eine Aktie fällt — in Seitwärts- und Bärenphasen ein klarer Mehrwert.
Trotzdem: Shorten erfordert Disziplin, solides Risk-Management und ein systematisches Vorgehen. Du solltest niemals blind shorten.
Die zwei Säulen der Short-Analyse: Fundamentale und technische Schwäche
Ein überzeugender Short-Kandidat vereint typischerweise fundmentale Probleme mit einem etablierten technischen Abwärtstrend. Lass uns beide Säulen im Detail anschauen.
Fundamentale Schwachpunkte, auf die du achten musst
- Cash Burn und Cash Runway: Wie lange reicht das vorhandene Kapital? Unternehmen ohne positiven Cashflow, die kurz vor einer Kapitalerhöhung oder einer teuren Kreditaufnahme stehen, sind besonders anfällig. Verwässerung durch neue Aktien drückt Kurs und Anteilseignerwert.
- Sinkende Margen: Wenn Umsatz wächst, Margen aber fallen (Brutto- oder Operating-Marge), fehlt Preismacht. Wachstum ohne Margen ist oft wertvernichtend.
- Hohe Verschuldung: In einer Hochzinsphase ist Schuldenlast gefährlich. Firmen, die Kredite zu niedrigen Zinsen aufgenommen haben, stehen vor höheren Refinanzierungskosten — die Zinskosten können zum Renditekiller werden.
- Insider-Verkäufe: Wenn CEO, CFO oder mehrere Manager in großem Stil verkaufen, ist das ein klares Warnsignal. Einzelne Verkäufe können Gründe haben, viele Verkäufe mehrerer Insider deuten auf Vertrauensverlust.
- Negative Free Cashflow und negativer ROIC: Wenn das Management mehr Geld verbrennt, als es einnimmt, und der Return on Invested Capital deutlich negativ ist, wird Wert vernichtet.
Forensische Bilanz-Warnsignale
Manche Firmen versuchen, schlechte Zahlen zu kaschieren. Folge den Geldströmen und nicht nur dem Gewinn.
- Sloan Ratio / Earnings Quality: Vergleicht Net Income mit Operating Cashflow. Hoher Gewinn bei schwachem Cashflow kann auf Bilanzverschönerung hinweisen.
- Inventory vs. Sales: Lagert das Unternehmen immer mehr Ware gegenüber seinem Umsatz, deutet das auf Absatzprobleme hin oder auf Überproduktion.
- Receivables vs. Revenue: Wachsen Forderungen schneller als der Umsatz, könnte Channel Stuffing oder aggressive Umsatzbuchung passieren.
- Goodwill/Total Assets: Hoher Goodwill nach teuren Akquisitionen ist riskant. Wenn Goodwill einen großen Anteil der Assets ausmacht, drohen Abschreibungen, die die Bilanz belasten.
- Altman Z-Score: Werte unter ~1,5 bis 1,8 signalisieren erhöhtes Insolvenzrisiko.
Technische Kriterien für Short-Trades
- Etablierter Abwärtstrend: Never short above the 200-day moving average. Eine Short-Position sollte in einem klaren Abwärtstrend eröffnet werden.
- Relative Schwäche: Die Aktie fällt deutlich stärker als der Gesamtmarkt — idealerweise fällt sie, während der Markt steigt.
- Volumen und Liquidität: Ausreichendes Trading-Volumen garantiert, dass du im Notfall aus der Position kommst. Ohne Liquidität drohen enorme Slippage und Manipulationsrisiken.
Rote Flaggen: Fälle, in die du niemals shorten solltest
Einige Aktien sind Short-Kandidaten nur auf dem Papier — in der Praxis sind sie gefährlich. Hier die wichtigsten Red Flags:
- Hoher Short Float: Wenn bereits viele Aktien leerverkauft sind, steigt die Gefahr eines Short-Squeeze. Generell gilt: Ich meide Aktien mit einer Short-Quote über 10 Prozent; 15–20 Prozent ist extrem riskant.
- Niedrigpreis-Aktien / Penny Stocks: Aktien unter 5 USD sind leicht manipulierbar. Geringes Volumen bedeutet, dass große Orders Bewegungen auslösen können.
- Meme- oder Kultaktien: Aktien mit fanatischer Anhängerschaft (beispielsweise frühe Beispiele wie GameStop oder AMC) können sich trotz schlechter Fundamentaldaten kräftig nach oben bewegen. Emotionen schlagen hier Ratio.
- Dividendenaktien kurz vor dem Ex-Dividende-Datum: Als Short musst du dem Aktienverleiher die Dividende zahlen. Das macht das Halten über das Ex-Datum teuer oder unmöglich.
- Hohe Leihgebühren: Für schwer zu borrowende Aktien können die Gebühren 5–7 Prozent oder mehr betragen. Das schmälert Rendite oder macht Short-Positionen unwirtschaftlich.
Tools und Screener: So findest du Short-Kandidaten
Du brauchst keine teure Software, um erste Kandidaten zu filtern. Kombiniere einen schnellen Screener mit einem tieferen Forensic-Tool zur Bilanz-Analyse.
Finviz (kostenloser Screener) — Beispiel-Filter
- Market Cap: > 300 Mio. USD (keine Nano- oder Micro-Caps)
- Price: > 5 USD (keine Penny Stocks)
- Average Volume: > 300.000 (Liquidität sicherstellen)
- Short Float: < 10% (keine hohen existierenden Short-Positionen)
- Price vs. 200-Day MA: Preis unter 200-Tage-Durchschnitt
- Performance YTD: -10% oder schlechter (zusätzliche Schwäche)
- Optional: Price-to-Sales > 10 für extrem teuer bewertete Kandidaten
Stock Unlock (forensischer Check)
Für tiefergehende Analysen lohnt sich ein bezahltes Tool. Nutze Stock Unlock oder ähnliche Analysetools, um Bilanz-Tricks aufzudecken:
- Wachstum 3 Jahre: Negativ (z. B. -5% oder schlechter)
- Free Cash Flow: Negativ
- ROIC: < -5%
- Altman Z-Score: < 1,8 bedeutet erhöhtes Insolvenzrisiko
- Earnings Quality / Sloan Ratio: Großer Unterschied zwischen Net Income und Operating Cashflow ist verdächtig
- Inventory / Revenue, Receivables / Revenue: Wachsender Lagerbestand oder Forderungen schneller als Umsatz ist Warnsignal
- Goodwill / Total Assets: Preferably < 50% (je kleiner, desto besser)
Ein praktischer Screening-Workflow
So kannst du systematisch vorgehen, ohne dich in Einzelfällen zu verlieren:
- Grober Filter (Finviz): Market Cap, Preis >5, Avg Volume >300k, Short Float <10%, Preis unter 200-Tage MA, Performance YTD negativ.
- Vorprüfung: Kurz den Geschäftsbericht und die letzten Zahlen ansehen. Gibt es offensichtliche Cash-Burn-Probleme, steigende Schulden oder sinkende Margen?
- Forensik mit Stock Unlock: Führe Sloan Ratio, Inventory/Sales, Receivables/Sales, Altman Z-Score und ROIC-Checks durch.
- Marktstruktur prüfen: Short Float wirklich <10%? Days to Cover (Short Interest / Average Daily Volume) plausibel? Gibt es große Insider-Verkäufe?
- Technische Bestätigung: Abwärtstrend etabliert? Widerstände, 200-Tage MA, Volumen bei Abwärtsbewegungen prüfen.
- Risikomanagement: Position sizing (kleine Positionsgröße wegen unbegrenztem Risiko), Stop-Loss-Plan, evtl. Options- oder Put-Hedge prüfen.
- Ausführung & Monitoring: Beobachte Leihgebühren, Nachrichten, Insider-Transaktionen und Open Interest. Reagiere schnell auf Short-Squeeze-Signale.
Wichtige Kennzahlen und Formeln, die du immer im Blick haben solltest
- Cash Runway: Kassenbestand / durchschnittlicher monatlicher Cash Burn = Monate bis Kapital ausgeht.
- Days to Cover: Short Interest / Average Daily Volume = Tage, die Short-Positionen brauchen, um geschlossen zu werden.
- Altman Z-Score: Nutze die Kennzahl als Indikator für Insolvenzrisiko (wertebasiert, kein absolutes Urteil).
Praktische Short-Regeln, die sich bewährt haben
- Shorte nie über dem 200-Tage-Durchschnitt.
- Bevorzuge geringe Short Float. Lieber eine Aktie mit 3–8% als eine mit 20% Short Float.
- Kein Short über das Ex-Dividende-Datum. Du musst dann die Dividende zahlen.
- Achte auf Leihkosten. Hohe Borrow-Fees können einen potentiellen Gewinn auffressen.
- Position sizing ist alles. Aufgrund theoretisch unbegrenzter Verluste kleine Positionen und klare Stops.
- Habe einen Exit-Plan. Nicht emotional reagieren, sondern regelbasiert handeln.
Beispiele aus der Praxis und was sie lehren
Die berühmten Short-Squeezes bei GameStop und AMC zeigen zwei Dinge: Erstens können emotionale Massenbewegungen fundamentale Signale überlagern. Zweitens ist Liquidität und Short Float entscheidend — wenn viele Short-Positionen existieren und Volumen niedrig ist, kann der Kurs schnell und schmerzhaft nach oben springen.
Merke dir: Ein potentiell schlechter Geschäftsbericht ist keine Garantie für einen fallenden Kurs. Märkte sind sentimentgetrieben und kurzfristig irrational. Deine Aufgabe ist es, das Risiko eines Squeeze zu minimieren und nur in Situationen einzusteigen, in denen die fundamentale Geschichte, Liquidität und technische Lage zusammenpassen.
Zusammenfassung: Dein Short-Checklist
- Fundament: Negativer Free Cashflow, sinkende Margen, hohe Verschuldung?
- Forensik: Sloan Ratio, Inventory/Revenue, Receivables/Revenue, Goodwill prüfen.
- Technik: Aktie unter 200-Tage-MA, etablierter Abwärtstrend, relative Schwäche.
- Marktstruktur: Short Float < 10%, Days to Cover akzeptabel, ausreichendes Avg Volume.
- Kosten & Risiken: Niedrige Leihgebühr, kein Ex-Dividend-Datum, klares Positionsmanagement.
- Disziplin: Stop-Loss-Plan, feste Positionsgröße, ständiges Monitoring.
Letzte Hinweise — Disziplin ist dein bester Freund
Shorten ist anspruchsvoll. Es ist potenziell sehr lukrativ, aber auch gefährlich. Erfolg entsteht durch Kombination aus solidem Screening, forensischer Bilanzanalyse, sauberer technischen Bestätigung und striktem Risikomanagement. Wenn du diese Elemente zusammenführst, hast du ein robustes System, mit dem du Short-Kandidaten finden und verantwortungsbewusst handeln kannst.
Übe zuerst mit kleinen Positionen und simuliere Trades, bis du die Dynamiken wirklich verstehst. Halte Emotionen raus, befolge deine Regeln und respektiere die Risiken. Dann kann Shorten ein sehr wertvolles Instrument in deinem Trading-Werkzeugkasten werden.
Viel Erfolg beim Analysieren und Trading. Ciao.






