Ein echter Ausbruch aus einer Seitwärtsphase kann eine der profitabelsten Situationen an der Börse sein. Gleichzeitig ist es eine der gefährlichsten: Du kennst das sicher – die Aktie springt nach oben, du steigst ein und wirst Sekunden später mit einem Stop-Loss rausgekickt, weil es sich nur um eine Bullenfalle gehandelt hat. Du kannst Ausfälle reduzieren, wenn du den Ausbruch wie ein Prozess betrachtest und nicht wie einen Zufall. Ich zeige dir eine einfache, praktikable Struktur, mit der du die Wahrscheinlichkeit eines echten Wyckoff-Ausbruchs deutlich erhöhst und Trades professionell managst.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Die großen Zyklen nach Wyckoff kurz erklärt
Bevor du einen Ausbruch tradest, hilft es, das Umfeld zu verstehen. Wyckoff beschreibt vier große Marktphasen:
- Akkumulation – die Phase unterhalb, in der große Marktteilnehmer Stücke einsammeln. Meist seitwärts, unauffällig.
- Markup / Aufwärtstrend – die Phase mit höheren Hochs und höheren Tiefs. Der eigentliche Trend nach oben.
- Distribution – sehr volatile Phase: viele springen in den Hype, die Großen verkaufen.
- Markdown / Abwärtstrend – Abwärtsbewegung mit tieferen Hochs und tieferen Tiefs; oft schneller als der Aufwärtstrend.
Merke dir: ein Ausbruch aus einer Akkumulationsrange in die Markup-Phase ist nur dann wertvoll, wenn er echte Stärke zeigt. Wenn er nur auf Hoffnung baut, wirst du vermutlich eine Bullenfalle erleben.
Anatomie eines Wyckoff-Ausbruchs
Stell dir eine Aktie in einer Seitwärtsrange vor. Der Preis nähert sich dem oberen Widerstand, dem sogenannten Creek, über den gesprungen werden muss. Die Transition in Richtung Aufwärtstrend läuft meist in definierten Phasen ab: es gibt einen letzten Test (Phase C), dann startet Phase D, der Trendbeginn.
Die größte Gefahr ist der sogenannte Upthrust – ein falscher Ausbruch nach oben, der schwache Hände abspricht und dann wieder wegknickt. Damit dir das möglichst selten passiert, arbeite mit einer klaren Checkliste.

Die 4-Kriterien-Checkliste für einen zuverlässigen Ausbruch
Diese vier Kriterien erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen echten Ausbruch handelt und nicht um eine Bulltrap.
- Last Point of Support / SpringVor dem wirklichen Ausbruch kommt oft nochmal ein Test der Unterseite der Range – manchmal sogar eine Unterschreitung. Das ist kein Fehler, sondern ein Shakeout, der schwache Hände herausdrückt. Wenn du so einen Last Point of Support siehst, ist das ein positives Zeichen: die Struktur wurde gereinigt, die großen Hände sind oft noch drin.
- Gesetz von Anstrengung und ErgebnisEffort versus Result ist ein zentrales Prinzip: ein echter Ausbruch zeigt große grüne Kerzen begleitet von steigendem Volumen. Das bedeutet, das Smart Money schiebt Preis und Volumen. Kommt es zu Rückläufen, sollten diese mit sinkendem Volumen stattfinden – das signalisiert, dass niemand verkaufen will.
- Schlusskurs ist KönigIntraday-Ausschläge, die am Ende des Tages wieder verkauft werden, sind häufig eine Falle. Der Schlusskurs muss signifikant über dem Widerstand liegen, idealerweise im oberen Drittel der Kerze, noch besser im oberen Viertel. Ein langer Docht nach oben und ein niedriger Schluss sind Warnzeichen.
- Relative Stärke gegenüber dem MarktDie Aktie sollte den Markt bereits während der Seitwärtsphase outperformen, mindestens im letzten Abschnitt vor dem Ausbruch. Vergleiche sie mit dem passenden Index (S&P, NASDAQ, DAX etc.). Ein Ausbruch einer schwächeren Aktie in einem schwachen Markt hat deutlich geringere Erfolgsaussichten.
Zusammengefasst
1. Last Point of Support getestet
2. Große grüne Kerzen mit steigendem Volumen; Rückläufe mit sinkendem Volumen
3. Schließung klar über Widerstand, im oberen Kerzendrittel/quartal
4. Relative Stärke gegenüber dem Markt

Wie du den Trade handhabst: Skalieren statt alles auf einmal
Ein häufiger Fehler ist das volle Risiko mit einem einzigen Einstieg zu tragen. Besser ist pyramiden, also in Tranchen einsteigen. Das reduziert das Risiko eines Fehlausbruchs und erlaubt dir, die Position zu vergrößern, wenn die Bewegung bestätigt wird.
Das 3-Tranchen-Modell
Das Modell ist simpel und praxisorientiert. Du teilst deine geplante Positionsgröße in drei Teile und kaufst gestaffelt:
- Tranche 1 – konservativ: Einstieg beim tatsächlichen Breakout (Schluss über Widerstand mit Volumen). Beispiel: 40% der Positionsgröße.
- Tranche 2 – wenn du aggressiver bist: Einstieg am Last Point of Support, wenn der Kurs nach dem Shakeout wieder nach oben dreht. Beispiel: 30% der Positionsgröße.
- Tranche 3 – Einstieg beim Backtest des Ausbruchsniveaus (niedrigeres Volumen beim Pullback) oder beim erneuten Durchbruch des Ausbruchshochs. Beispiel: letzte 30%.
Du kannst die Reihenfolge der Tranchen ändern, je nachdem, wie mutig du bist. Eine weniger aggressive Variante wäre: 30 % am Last Point of Support, 40 % beim Breakout und 30 % beim erneuten Anstieg über das Ausbruchshoch. Du kannst das auch in 4 Tranchen aufteilen (je 25 %), das Prinzip bleibt gleich: du willst nicht sofort voll investiert sein.
Warum das für dich Sinn macht
- Bei einem Fehlausbruch bist du nur teilweise betroffen.
- Wenn der Ausbruch wirklich stark ist, baust du nachträglich günstigere Durchschnittspreise auf.
- Du gewinnst Zeit, wichtige Marktinformationen zu prüfen (Volumen, Marktstimmung, Nachrichten).
Stop-Loss und Risikomanagement
Risikomanagement ist das Herzstück jeder Strategie. Zwei Fragen solltest du dir stellen: Wo setze ich den Stop? Und wann breche ich den Trade aktiv ab?
Wo setzt du den Stop?
Grundprinzip: der Stop gehört unter die signifikante Unterstützung. Das kann das untere Band der Range sein oder der Bereich, der beim Last Point of Support unterschritten wurde. Ein Stop oberhalb dieser Marke ist gefährlich, weil du dann nicht ausreichend Puffer für normale Volatilität hast.
Praktische Hinweise:
- Wenn du am Breakout eingestiegen bist, liegt der Stop oft unterhalb der Range oder unter einem charttechnisch signifikanten Level.
- Wenn du enger gehen willst, verwende markante Chartmarken (z. B. vorangegangenes Tief), aber vermeide zu enge Stops, damit du nicht vom normalen Marktgeräusch rausgeholt wirst.
- Definiere vorher, wie viel Prozent deines Kapitals du pro Trade riskieren willst (üblich sind 1–2 %). Berechne die Positionsgröße aus dem Abstand zwischen Einstiegs- und Stopp-Preis.
Wann du den Trade aktiv abbrechen solltest
Es gibt Situationen, in denen du nicht auf einen Stop warten solltest, sondern aktiv aussteigen musst:
- Das Volumen trocknet nach dem Ausbruch aus. Wenn die Kursanstiege von fallendem Volumen begleitet werden, verliert der Ausbruch an Glaubwürdigkeit.
- Der Kurs schließt zwar kurz über dem Widerstand, aber wird in den nächsten Tagen schnell abgeverkauft. Das ist ein klares Zeichen von Schwäche.
- Marktbreite und Sektor zeigen Schwäche: Wenn der Gesamtmarkt oder der Sektor gegen den Trade läuft, ist das ein weiterer Warnhinweis.
Kurz gesagt: du kaufst keine Hoffnung, du kaufst Beweise. Price Action und Volume Action müssen Hand in Hand gehen.
„Wir kaufen keine Hoffnung. Wir kaufen Price Action und Volumen-Action.“
Ein konkreter Trade-Ablauf als Beispiel
Angenommen, du hast eine Aktie in einer Range beobachtet. Die Range war seit Wochen stabil, es gab einen kleinen Spring, der die schwachen Hände rausgeholt hat. Nun bieten sich folgende Schritte an:
- Bestimme die Range: oberer Widerstand 20 EUR, untere Unterstützung 15 EUR. Last Point of Support war ein kurzfristiger Dip auf 14,70 EUR.
- Beobachte die Relative Strength: die Aktie hat in den letzten zwei Wochen den Vergleichsindex outperformed.
- Der Breakout kommt: die Aktie schließt bei 21,00 EUR mit 50 % überdurchschnittlichem Volumen. Du steigst mit 40 % Positionsgröße ein (Tranche 1).
- Der Kurs fällt zurück auf 20,30 EUR mit deutlich weniger Volumen. Du investierst weitere 30 % (Tranche 2).
- Als Bestätigung bricht der Kurs das Ausbruchshoch bei 22,00 EUR. Du investierst die letzten 30 % (Tranche 3) oder bewegst den Rest zu Break-Even und lässt den Rest laufen.
- Stop-Loss: initial unter 19,50 EUR (unter der Range). Sobald Tranche 3 gesetzt ist, kannst du Stops nachziehen.
So reduzierst du das Risiko eines Frühausstiegs und profitierst gleichzeitig von der Upside, wenn der Ausbruch sauber läuft.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
- Zu enge Stops: führen dazu, dass normale Volatilität dich aus dem Trade wirft. Stelle Stops vernünftig ein und berechne Positionsgröße entsprechend.
- Fehlinterpretation von Volumen: Nicht jedes große Volumen ist gut. Achte auf das Zusammenspiel Preis-Volumen: großer Anstieg plus steigendes Volumen ist gut; steigender Preis bei fallendem Volumen ist fragwürdig.
- Keine Relative-Strength-Analyse: Wenn die Aktie gegenüber dem Markt schwächelt, sind Chancen geringer.
- Alles auf einmal investieren: vermindert deine Flexibilität und erhöht das Risiko bei Bullenfallen.
Trade-Management nach dem Einstieg
Nach dem vollständigen Einstiegsprozess geht es darum, Gewinne zu schützen und sinnvoll zu laufen lassen.
- Ziehe Stops nach, wenn das Chartbild bestätigt: z. B. unter das letzte höhere Tief.
- Bei starken Moves kannst du Teilgewinne mitnehmen: z. B. 20–30 % der Position nach bestimmten Meilensteinen oder Gewinnzielen verkaufen.
- Beobachte weiterhin Volumen und Relative Strength. Wenn die Aktie plötzlich underperformt, reagiere sofort.
- Notiere dir Gründe für den Einstieg und die Exit-Regeln. Disziplin ist das, was aus einer Idee einen wiederholbaren Plan macht.
Checkliste vor dem Einstieg
- Range klar definiert und Last Point of Support getestet.
- Breakout-Kerze schließt über Widerstand, idealerweise im oberen Drittel.
- Steigendes Volumen beim Ausbruch, rückläufiges Volumen bei Pullbacks.
- Aktie zeigt Relative Strength gegenüber passendem Index.
- Positionsgröße anhand Stop-Loss-Risiko und maximalem Prozent-Risiko deines Kapitals berechnet.
- Plan für Tranche 1–3 (oder 4) festgelegt: Ein- und Ausstiegspunkte definiert.
- Klare Stop- und Trail-Regeln festgelegt.
Fazit und Takeaways
Ein sicherer Wyckoff-Ausbruch ist nie 100 % sicher. Aber mit einem klaren Plan, der auf Volumen, Price Action, Relative Strength und skalierendem Einstieg basiert, kannst du die Chancen zu deinen Gunsten verschieben. Kaufe keine Hoffnung. Kaufe Beweise: starke Kerzen mit steigendem Volumen, saubere Closes über Widerstand und Bestätigung durch Marktstärke.
Skaliere in Tranchen, setze Stops unter signifikante Marken, und sei bereit, einen Trade aktiv zu beenden, wenn die Volumenbasis schwächer wird. So vermeidest du viele Bulltraps und verbesserst langfristig deine Trefferquote.
Wenn du diese Prinzipien konsequent anwendest, handelst du nicht mehr reaktiv, sondern planvoll. Das ist ein großer Schritt in Richtung professionelles Trading. Viel Erfolg beim Umsetzen und beim Finden deiner nächsten echten Ausbrüche.




